Jetzt sind es nur noch 11 Wochen

Was soll ich sagen, eigentlich ist ja nicht viel passiert seit der letzten Woche, aber ich habe mir zum Ziel gesetzt einmal pro Woche über das Fortschreiten unserer Vorbereitungen zu berichten.

Wir vom IFM-GEOMAR sind im Rahmen des EPOCA-Projektes mit der Durchführung der Logistik und Planung des Experiments betraut worden. Da unser Institut den enormen logistischen Aufwand des Transports nicht alleine bewältigen kann, hat uns Greenpeace logistische Unterstützung angeboten. Auch wenn ich gerne mal meinen eigenen Frachter gechartert hätte, bin ich doch überaus dankbar, dass sich diese Möglichkeit ergeben hat. Ihr glaubt ja gar nicht wie teuer es ist, einen Frachter zu chartern. Daher bin ich wohl nicht der einzige, der sich darüber freut.

Es wird großartig, wenn Greenpeace mit Ihrer „Esperanza“ in Kiel ankommt. Ziemlich großes Ding! Aber ich denke da gibt es dann demnächst die entsprechenden Bilder vom Beladen. Jan, Matthias und ich werden dann das große Vergnügen haben, auf der 10tägigen Reise in den Norden unser Equipment zu begleiten. Vielleicht kann ich euch von Unterwegs auch ein paar Bilder schicken. Nachdem ich die Anreise aus der Luft schon erlebt habe, freue ich mich nun sehr auf den seewärtigen Anblick der Gletscher.

Nächste Woche wird es erst mal zum Schießkurs gehen. Offiziell heißt der ja „Polarbear Protection Course“, aber eigentlich lernt man da primär das Schießen. Schließlich begeben wir uns in die Heimat des gefährlichsten Landraubtiers unseres Planeten. Da darf man den Ort nur mit Gewähr, Signalpistole und Funk verlassen. Aber aus sicherer Quelle habe ich schon gehört, dass die Formularschlacht die folgt, wenn man Meister Petz erlegt, so groß ist, dass es angenehmer ist sich von diesem fressen zu lassen…. naja … ich weiß ja nicht … ich wird das mal durchdenken, wenn es so weit ist. Aber um jetzt alle besorgten Eisbär-Liebhaber zu beruhigen. Das erschießen eines Eisbärs ist von jeder Menge anderer Abwehrmaßnahmen die letzte Wahl. Man darf auf einen Bären auch erst schießen, wenn er dichter als 30m an einem dran ist. Wenn man jetzt weiß, dass so ein Bär 40km/h laufen kann, sind die Chancen für das Tier sowieso größer.

Nächste Woche wird hier dann die Auswertung des Kurses folgen, mal schauen ob sich noch irgendjemand aus dem Ort traut. Wird aber bestimmt lustig mit meinen Kollegen … ich hoffe nur es wird sich niemand ernstlich verletzen!

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Nur noch 12 Wochen

Nur noch 12 Wochen. Eigentlich ist das ja jede Menge Zeit. Aber als ich gerade auf den Kalender geschaut und festgestellt habe, dass es tatsächlich nur noch 12 Wochen sind, bis wir unsere Expedition in die Arktis starten ist mir doch ein bisschen mulmig geworden.

Hallo erst mal! Mein Name ist Sebastian Krug, eigentlich bin ich Doktorand in der Arbeitsgruppe von Prof. Riebesell am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, aber für diese Aktion habe ich die Ehre und das Vergnügen (das ist durchaus nicht sarkastisch gemeint) die Logistik für unser Experiment zu planen. Die Herausforderungen sind enorm! Schließlich gilt es neun 8m hohe und fast 2t schwere Mesokosmen nach Ny Alesund auf Spitzbergen zu transportieren.

Aber vielleicht erst einmal von Vorne. Was ist denn eigentlich ein Mesokosmos? Was können wir damit erforschen? Und warum zur Hölle müssen wir damit an das Ende der Welt? Alles gute und berechtigte Fragen und so schön einfach zu beantworten. Ich hoffe die Fragen, die ich bei der Verteidigung meiner Promotion bekommen werde sind auch so einfach. Aber ich schweife ab …

Der Name Mesokosmos setzt sich aus zwei Teilen zusammen, wobei der Ursprung im Griechischen zu finden ist. Dabei bedeutet „Kosmos“ so etwas wie „die Welt“. „Meso“ ist eine Größenangabe und bedeutet „mittelgroß“. Unsere Türme die wir vor Ny Alesund ins Wasser setzen sind also mittelgroße Welten. Das trifft es eigentlich ziemlich gut. Auf dieser Website gibt es eine schöne Zeichnung , die das grobe Konzept erläutert. Aber im Großen und Ganzen bestehen unsere Welten aus zwei Teilen. Dem Schwimmkörper und dem Sack. Der Sack wird 17m lang sein, davon befinden sich 15m unter Wasser, bei 2m Durchmesser ergibt das etwa ein Volumen von 47m³. Wer jetzt in Mathe, 6 Klasse, gut aufgepasst hat, weiß, dass das 47.000 Litern entspricht.

Ich bin als Taucher ja nun schon oft an diesen Säcken auf- und abgetaucht und ich finde dass der Begriff „mittelgroß“ definitiv zu klein für unser Mesokosmen ist. Aber, naja, was soll man machen. Während des Experiments werden wir sicherlich jede Menge Unterwasser Fotos machen, dann könnt ihr Euch hoffentlich selbst davon überzeugen.

Auf zu Frage 2. Was kann man damit machen? Ich werde euch beim weitern Fortschreiten des Blogs ein bisschen näher erklären, wie alles genau funktioniert, hier erst mal nur so viel: Mit den Säcken stechen wir 47m³ Ozean aus und versuchen somit ein mehr oder weniger unberührtes Ökosystem in unseren Mesokosmen einzusperren. Danach kann man eigentlich darin alles simulieren was man möchte. Man könnte die Auswirkungen von Schadstoffen analysiere, man könnte Dünger zugeben oder wie in unserem Fall die Klimawandel bedingte Ozeanversauerung analysieren. Wie wir das genau machen, erzähl ich euch wenn es soweit ist.

Warum wir das in der Arktis machen? Also ich wünscht die Antwort wäre, weil es so schön einfach ist und weil es überhaupt kein Problem ist das ganze Equipment dort hin zu schaffen. Naja, das Theater hab ich jetzt am Hals, aber damit will ich Euch gar nicht weiter belästigen. Die zwei wichtigsten Gründe für ein Experiment in der Arktis ist zum einen, dass der Effekt der Versauerung dort oben besonders gravierend sein wird und zum anderen ist ein Kernthema unserer Studie die Flügelschnecke. Diese kleinen Schnecken schwimmen frei im Wasser umher und bilden zusammen mit anderen Gruppen das Fundament des Ökosystems. Sollte es diesen Schnecken mit ihren filigranen Kalkschalen in der Zukunft nicht gut gehen, dann könnte es große Probleme für das gesamte Ökosystem bedeuten.

So, das war jetzt erste Artikel für unseren Blog. Hier wird es jetzt regelmäßig viele Neuigkeiten über unsere Expedition geben. Bis bald Sebastian