Noch 8 Wochen (Ein Vorversuch)

Dass ich es nun doch nicht schaffe jede Woche einen Bericht zu schreiben, kann eigentlich nur zwei Dinge bedeuten: Entweder es gibt nichts zu berichten, oder die Ereignisse überschlagen sich und ich komme einfach nicht dazu. Ich befürchte es doch eher der zweite Punkt.

Aber dass wir gerade einen interessanten Vorversuch am Laufen haben, möchte ich euch nicht verschweigen. Um euch zu erklären was wir testen, muss ich euch mit zwei unserer Probleme konfrontieren. Zum einen haben wir das Problem des unbekannten Volumens, zum anderen das Problem einer gleichmäßigen Einmischung von CO2 und Tracer.

Aber mal wieder der Reihe nach. Möchte man in den Mesokosmen etwas verändern (in unserem Fall die CO2 Konzentration) kann man dieses leider nicht einfach irgendwie dazugeben. Da muss man schon die ein oder andere Rechenaufgabe vorher durchkalkulieren. Eine wichtige Variable in dieser Rechnung ist das Volumen unserer Säcke. Denn man muss schon wissen in wie viel Liter Wasser man CO2 zugibt, um die gewünschten Konzentrationen zu erlangen. Da durch die schwabbeligen Kunststoffwände unsere Säcke keinen perfekten Zylinder ergeben, kann man das Volumen auch nicht einfach so ausrechnen. Also müssen wir einen Trick anwenden. Man kann eine definierte Menge eines Spurenstoffes (Tracer) hinzugeben und dann im zweiten Schritt messen wie viel wir im Sack pro Liter wiederfinden. Anhand dieser Information können wir dann das Volumen exakt ausrechnen. Hört sich einfach an, ist es eigentlich auch. Problem bei der Geschichte ist nur den geeigneten Stoff zu finden. Dieser Stoff darf in keinster Weise unser Experiment beeinflussen und natürlich auch nicht die verschiedenen Methoden der Wissenschaftler. Wir hatten zwei zur Auswahl, Uracin und Salz. Uracin ist ein lustiger Stoff. Dabei handelt es sich um einen grünen Farbstoff, der völlig inert mit der Umwelt ist und sich durch Sonnenlicht langsam abbaut. Wird z.B. von Geologen genutzt um unterirdischen Flüssen zu folgen oder von verrückten Iren, die zum St. Patriks Day ganze Flüsse grün färben. Wir dachten nun, wenn wir ganz wenig hinzugeben, dann können wir es einerseits gut messen und andererseits werden unsere Säcke nicht grün gefärbt. Also hat Jan etwa 1g auf 15.000Liter gegeben. Das Resultat seht ihr im Bild und hat uns sehr erstaunt. Man das Zeugt färbt wirklich hammerstark. Wir haben ein ganzes Kilo davon. Der Wissenschaftler (und auch ein bisschen das Kind) in uns hat sich schon gefragt, was wohl passiert, wenn wir die komplette Packung in die Förde schmeißen. Aber wir hatten doch ein bisschen Sorge damit eine Panik auszulösen. Da haben wir das lieber mal gelassen.

Der zweite Stoff war, wiegesagt das Salz. Salz ist eigentlich super. Ist ja sowieso schon jede Menge drin im Wasser und lässt sich auch prima über die Leitfähigkeit messen. Problem ist hier nur, man braucht soviel davon. Wir haben in unserem Testmeskosmos etwa 9kg benötigt um die Salinität um 0,5 Promille zu erhöhen. Für unsere Mesokosmen in Spitzbergen benötigen wir das dreifache.

Problem Nr. 2 ist die gleichmäßige Zugabe unserer Lösung. Würden wir das Salz einfach nur ins Wasser schmeißen, würde es einfach auf den Boden sinken, sich aber nicht gleichmäßig einmischen. Also müssen wir das Salz vorher schon in Wasser lösen und dann gleichmäßig in der Wassersäule verteilen. Jan hat davor eine genial Konstruktion erdacht und von Detlef bauen lassen. Wir nennen sie die Spinne. Der Name kommt eigentlich noch von unserem alten Gerät und passt jetzt nicht mehr so gut. Aber warum schöne Namen ändern? Im Bild seht Ihr Jan mit seiner Kosntruktion. Dabei handelt es sich um 80 dünne Stäbe die in unterschiedlichen Entfernungen langsam die vorbereitete Lösung ins Wasser abgeben. Zieht man die Spinne nun dabei im Mesokosmos hoch und runter, dann könnte man annehmen, das Salz gelichmäßig im Volumen zu verteilen.

Ob das geklappt hat. Werde ich euch demnächst berichten.

Noch 10 Wochen (Der Schießkurs)

Nun haben wir es also geschafft. Zwar sind wir jetzt keine stattlich geprüften Eisbärjäger aber immerhin können wir uns jetzt alle in der Wildnis vor Meister Petz verteidigen. Der Kurs war sehr interessant und gerade der Praxisteil hatte doch ein wenig die menschlichen Urinstinkte in uns wachgerufen. (Eigentlich hätte ich männliche Urinstinkte schreiben wollen, aber Andrea und Kerstin hat es auch sichtlich Spaß gemacht wehrlose Pappscheiben zu durchlöchern.)

Aber beginnen wir doch von vorne:

Der Polarbear Protection Course begann am Donnerstagnachmittag mit einer Einführung in die Biologie des Eisbären. Nachdem Motte: „Denk wie ein Eisbär, sei ein Eisbär“ waren wir nun also schon einmal darauf vorbereitet, den Bärchen gar nicht erst zu begegnen. Es ist zum Beispiel strengstens verboten Bärenspuren zu folgen. Am Besten sei es daher den Spuren entgegengesetzt zu folgen, um Konfrontationen zu vermeiden. Auf den Fall in denen der Bär rückwärts durch die Pampa marschiert, wurden wir allerdings nicht vorbereitet. Part zwei beinhaltete die Waffenkunde. Mit einer Waffe Baujahr 1936 umzugehen war überraschend einfach und die Frage warum wir uns mit so alten Dingern abmühen müssen, konnte auch suffizient erläutert werden. Die modernen halbautomatischen Waffen sind den Kälte-, Schnee- und Sandbedingungen in der Arktis einfach nicht gewachsen. Um jetzt alle Eisbärliebhaber erneut zu beruhigen hier die Reihenfolge der Maßnahmen, um sich vor weißen Bären zu schützen.

  1. Konfrontationen vermeiden (leichter gesagt als getan, schließlich entdeckt der Bär uns und nicht wir ihn).
  2. Jede Menge Lärm kann die Bären abschrecken. Also schmeißt eure Schneescooter an, schlagt mit eurem Kochgeschirr oder singt einfach ein Lied (letzteres sollte zumindest in meinem Fall jeden Bären verschrecken, könnte mir aber vorstellen, dass die Genfer Eisbärkonvention diese Maßnahme verbietet).
  3. Schuss mit der Signalpistole vor den Bären in den Boden. (kann extrem wirkungsvoll sein wenn, man den Boden VOR dem Bären trifft, kann aber auch extrem wirkungslos sein wenn man den Boden HINTER dem Bären trifft).
  4. Die absolut letzte Maßnahme wäre dann das Erschießen des Bären. Dafür muss der Bär allerdings dichter als 35m an uns dran sein. Dieser Punkt ist glücklicherweise sehr sehr unwahrscheinlich und die meisten von uns würden sich auch nicht mehr nach Hause trauen, sollten sie wirklich einen Bären erschossen haben. (zu Mal wir das Fell sowieso nicht behalten dürfen)

So vorbereitet, konnten wir uns erst einmal mit den Nahkampftechniken befassen. Da es aber überaus schwer war einen Bär in Jans Größe aufzutreiben und er diesen auch nur durch tatkräftige Unterstützung der daneben stehenden Kameraden niederringen konnte (Bild), haben wir uns dann doch lieber der Gewehrpraxis zugewandt. Erschwerend kam hinzu, dass wir nun erfahren haben, dass auf Pinguinunterstützung rund um Spitzbergen eher etwas länger gewartet werden muss.

Die Praxis lief dann wie erwartet. Warten, warten, noch ein bisschen warten und dann 5 Schuss auf 100m-Scheiben abgeben, wieder warten, warten, warten. Bei 1°C Lufttemperatur, hatte das auch schon ein bisschen von Arktistraining. Im Anschluss durften wir noch einmal auf 35m entfernte Eisbärscheiben schießen. Da das bei allen sehr passabel verließ und sich niemand verletzt hat, dürfen wir uns nun in Ny Alesund aus dem Ort wagen.

Bild 3: Dieser Pappbär wäre keine Bedrohung mehr. Wenn die Bären also für 5 Minuten regunglos sitzenbleiben, könnte der Schutz funktionieren. Allerdings dürfte ich dann wohl auch nicht mehr auf in Schießen … naja …. Details