Das wars …

Es sieht so aus, als wäre es das gewesen. Muss so sein … schließlich sind ja alle schon abgereist. Moment … wieso bin ich eigentlich noch hier!? Oh man … sie haben es schon wieder getan …

Wie dem auch sei. In einer unglaublichen Kraftanstrengung aller Beteiligten haben wir in 3,5 Tagen alles abgebaut, verpackt und verladen. Als Aussenstehender kann man sich, glaube ich, nicht wirklich vorstellen was das bedeutet. Ich versuche es trotzdem einmal zu verdeutlichen. Es mussten 6 voll ausgestattete Laboratorien komplett abgebaut, 9 Mesokosmen geborgen, 6 Grundgewichte gehoben, 4 Container beladen, alle Zollpapiere zusammengestellt und das Greenpeace Schiff „Esperanza“ wieder beladen werden. Dies war nur möglich, weil sich über die Dauer des Experiments ein super Team gebildet hat. So dass jeder genau wusste was er zu tun hatte. Aber man muss zugeben, dass wir auch unter dem entsprechenden Druck standen. Viel wurde ja schon von den Unmengen an Kreuzfahrtschiffen berichtet, aber ausgerechnet zu unserer Abbauphase hatten wir den Höhenpunkt der Schiffssaison erreicht. Für uns hieß das, dass keine Paletten mit dem Radlader transportiert werden durften, wenn 600 Touris durch den Ort latschen und dass Esperanza nur an die Pier konnte, wenn kein Kreuzfahrer den Anlegeplatz blockierte. Beladen ging also nur in zwei kleinen Zeitfenstern am Freitag und am Samstag nach 18Uhr. Ich gebe zu, dass hat die Abbauphase doch etwas beschleunigt.

Allerdings führte das auch dazu, dass alle Beteiligten ziemlich erschöpft waren. Auch einer der Gründe warum der Text ein bisschen kürzer ausfällt und lieber mehr Bilder folgen.

Bis zum nächsten Bericht aus Kiel

Sebastian

Zu erst die 17m Säcke (© Nick Cobbing (Greenpeace))

© Nick Cobbing (Greenpeace)

Dann die Schwimmkörper © Nick Cobbing (Greenpeace)

Der Denker (© Thomas Bouchard)

Zum Glück immer Zeit für Blödsinn

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Was mach ich eigentlich hier …..?

Während ich anfange mir diese Frage immer und immer wieder zu stellen, dachte ich mir, ich könnte sie euch wenigstens mal beantworten.

Wenn man verantwortlich für die Logistik ist, dass Experiment aber schon seit über 2 Wochen super läuft, so könnte man meinen, mein Job wäre gelaufen. Um ganz ehrlich zu sein, so ungefähr hatte ich mir das auch vorgestellt. Mal schön die anderen beobachten, wie sie für Ihre Publikationen arbeiten und selber vielleicht mal ein bisschen in der Hängematte abhängen. Leider scheiterte dieser phänomenale Plan an zwei wesentlichen Punkten:

  1. Es mangelt ein klein wenig an Bäume für meine Hängematte
  2. Merkwürdigerweise mangelt es auch an Zeit

Um Punkt eins zu verdeutlichen informiert man sich am besten mal über die Arktische Tundra. Dann findet man auch schnell heraus, dass Flechten, Moose und der Gegenblättrige Steinbrech eher ungeeignet sind um Hängematten aufzuhängen. Auf alle Fälle erreicht man mit diesen Pflanzenvertretern (ich weiß, ich weiß …. Flechten als Pflanzenvertreter zu bezeichnen kann man diskutieren) keine vernünftige Höhe.

Punkt 2 versteh ich selbst nicht so genau. Eigentlich mache ich ja den ganzen Tag nicht wirklich was. Morgens mal eine Schicht Probennahme für 3h … na gut … ist ja nichts dabei. Das Assentieren bei den Abfüllarbeiten vor der Filtrationshalle darf man hier gar nicht groß erwähnen. Auch die erneute Ausfahrt, um 24h-Inkubationsproben ins Labor zu bringen und diverse Zooplanktonproben zu sammeln kann eigentlich vernachlässigt werden. Das regelmäßig Schichtpläne für die Probennahme geschrieben, gedruckt und ausgehängt werden müssen, fällt zwar in meinen Aufgabenbereich, kann man aber immer für einige Tage im Voraus planen. Kontrolltauchgänge die sich über 4h hinziehen werden ja auch nicht ständig durchgeführt und Flügelschnecken-Fang-Aktionen finden auch nur alle paar Tage statt. Die Planungen der Abbauarbeiten kann man ja mal so nebenher durchdenken und aufschreiben, so dass dann auch immer gerne mal Zeit ist, den völlig überarbeiteten Labormäusen ein bisschen unter die Arme zu greifen. Erst einmal habe ich die Lagerhalle gefegt und gewischt und nur ganz kurz musste ich mit der logistischen Herausforderung befassen eine ganz bestimmte Espresso-Sorte kostenlos nach Ny Alesund zu organisieren, um die Arbeitsmoral nicht unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert absinken zu lassen. Wann dann noch Zeit ist, kann man gegen 23 Uhr mal gemütlich zur Tankstelle schlendern und die Kanister für die Boote füllen.

Also wie Ihr seht, habe ich im Großen und Ganzen nichts zu tun, daher frage ich mich ständig wo eigentlich die Zeit bleibt. Ich bin nur froh, dass sich wenigstens der Blog von selbst schreibt.

Frei … äh …zeit??

Es begab sich, dass jetzt neulich jemand dieses Wort aussprach. „FREIZEIT“!! Kennt ihr das … jemand sagt was, man versteht es nicht, nickt dann aber immer zustimmend, als wüsste man genau wovon derjenige spricht und später schaut man dann heimlich nach, was es eigentlich zu bedeuten hat?

Hier die Erklärung, die ich gefunden habe:

Freizeit im Sinne von arbeitsfreier Zeit ist der Zeitraum, über den der Einzelne frei verfügen kann und in dem er frei von bindenden Verpflichtungen ist. Diese Zeit steht für die Erholung von den Anstrengungen beruflicher und sonstiger Obliegenheiten zur Verfügung. Sie wird aber nicht nur dafür, sondern auch für vielfältige andere Aktivitäten genutzt. Das Wort geht auf die spätmittelalterlichen Rechtsbegriffe „Freye-zeyt“ und „frey zeit“ zurück und benannte damals die Zeit des „Marktfriedens“.

Ich diskutierte diesen Fachterminus umgehend mit einigen Freunden, so dass wir zu dem Schluss kamen, man müsste es einfach mal ausprobieren. Natürlich waren wir uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht über die Konsequenzen bewusst und man kann diese Entscheidung im Nachhinein wohl als jugendlichen Leichtsinn verbuchen. Nichts desto trotz, haben wir am Samstag all unseren Mut zusammengenommen und haben bereits um 19.30Uhr die Arbeit niedergelegt, um diese ominöse „Freizeit“ in Form einer kleinen Hüttentour an uns selbst zu testen.

7 Leute, zwei Boote und merkwürdigerweise 1,5kg rohes Fleisch machten sich also auf den Weg zur gegenüberliegenden Seite des Fjords, um dort ein herrliches Dinner in rustikaler Umgebung zu genießen. Natürlich nicht ohne einen kleinen Umweg in Richtung des nächstgelegenen Gletschers zu unternehmen. Wir waren sehr überrascht als wir die Unmengen an Eis vorfanden, die uns immer noch den Weg zum Gletscher versperrten. Tausende kleiner Eisschollen und Eisberge warfen sich uns in die Bahn. Aber es war ein großer Spaß sich ganz langsam vorwärts zu arbeiten. Schließlich wurden wir dann noch mit einer Bartrobbe belohnt, die friedlich ihre sogenannte „Freizeit“ gemütlich auf einer Scholle verbrachte.

Als wir schließlich komplett durchgefroren die Hütte erreichten, wurde, um zumindest ein klein Wenig Wärme in den Raum zu bringen, als erste Amtshandlung der Bollerofen angeschmissen. Durch unseren mittlerweile extremen Hunger wurden wir umgehend zur zweiten Handlung gezwungen. Verarbeitung der 1,5kg Fleisch. Wirklich lustig. In der Küche sagte ich wir würden gerne alles für Pasta mitbekommen. Ich bekam 1kg Nudeln, drei Zwiebeln, drei Beutel Soße und 1,5kg rohes Fleisch. Aber es hat köstlich gemundet. Als Nachtisch gab es sogar noch Pfannkuchen mit Erbeermarmelade.

Um halb 1 machten wir uns dann auf den Rückweg. Unglücklicherweise gab es am nächsten Morgen um 6 Uhr gleich einen Eisalarm und um 8.30Uhr begann die tägliche Probennahme.

Wenn es nicht so schön gewesen wäre, hätte man diese komische „Freizeit“ zu diesem Zeitpunkt schon ein bisschen bereuen können. Aber es war einfach zu schön!

Von Maarten und der Metaphysik der Dinge

Nach all dem hektischen aber kontrollierten Chaos freu ich mich nun den Eintritt in eine mehr oder weniger ausgeprägte Routine zu verkünden. Es gibt jetzt täglich wechselnde Schichtpläne für die Probennahme, so dass jeder alle zwei Tage rausfahren muss, um im Kampf gegen 10cm hohe Wellen, Windgeschwindigkeiten von bis zu 3km/h und teilweise ausgeprägter Sonnenbestrahlung, Proben ins Labor zu transportieren. Da bleibt dann auch mal Zeit über andere Dinge zu berichten.

Zum Beispiel Maarten. Es begab sich, dass uns der Kameramann von Greenpeace auf Schritt und Tritt verfolgte. Ein sehr netter Kerl und im Großen und Ganzen sehr zutraulich. Leider hat uns Greenpeace mittlerweile verlassen. Allerdings haben wir hier im Ort jemanden getroffen, der genau so gerne hier rumhängt und uns auf ähnlicher Weise verfolgt. Ich gebe zu, dass es das ohne Kamera tut und auch nicht bis aufs Boot, aber wir mussten das kleine Rentier einfach nach dem Kameramann benennen.

Tja, und dann gäbe es da noch etwas über die Metaphysik der Dinge zu berichten. Meine Freundin wird an dieser Stelle schon wissen worum es geht, aber ich möchte doch gerne alle an diesem Phänomen teilhaben lassen. Es begab sich, dass ich einem Zeitungsartikel über verschiedene Persönlichkeiten und deren Umgang mit dem „Verlegen von Dingen“ las. Dabei hat mich ein Beitrag sehr fasziniert, denn es scheint sehr die Merkwürdigkeiten, um mich herum zu erklären. Auf den ersten Blick scheint es so, als würde ich ständig meine Mütze verlegen, aber dies scheint natürlich nur so. In Wahrheit handelt es sich hier um die Metaphysik der Dinge: „Die Dinge kommen, die Dinge gehen, dass entscheiden die Dinge“. Daher ist meine Mütze auch gerne mal für mehrere Tage unterwegs und trifft sich zum Beispiel mit dem Funkgerät. Aber, sehr wichtig, treu wie meine Mütze ist, so entscheidet sie sich doch regelmäßig zurück zu kehren.

Jetzt muss ich schon wieder Schluss machen, denn ich habe heute „Eisberg-Verschiebe-Bereitschaft“. Unglücklicherweise hat der Gletscher wie verrückt zu kalben angefangen. Das bedeutet, dass eine Armee von kleinen Eisbergen sich den Weg zu unseren Mesokosmen durchkämpft. Die 24h Eiswache wird uns alarmieren und dann müssen wir, hoffentlich nicht heute Nacht, raus und die Eisberge ein bisschen durch die Gegend schieben.

Jetzt gehts hier rund!!

Uiuiui … jetzt sind wir schon 7 Tage in Ny Alesund und ich bin noch nicht dazu gekommen etwas zu schreiben. Dabei ist so unglaublich viel passiert. Also der Reihe nach:
25. Mai 2010
Dienstag sind wir in Ny Alesund eigenlaufen. Es gibt nicht die richtigen Worte, um zu beschreiben was für einen Eindruck diese Szenen hinterlassen haben. Der bis jetzt einzige Tag mit wolkenlosem Himmel, herrlichem Sonnenschein und einer grandiosen Einfahrt in den Kongsfjord. Ich hoffe, dass die Bilder ein klein wenig die Emotionen vermitteln können, die das ausgelöst hat.
Auf der Fahrt nach Ny Alesund mussten wir ein kleines Rennen mit dem Frachtschiff fahren, dass einmal im Monat die Forschungsstation versorgt. Denn wer zuerst den Hafen erreicht, darf auch als erster entladen. Glücklicherweise haben wir mit einem Tag Vorsprung gewonnen und konnten daher den Dienstag gut für das Entladen der Mesokosmen nutzen.
Am Abend ist dann der Rest der IFM-GEOMAR-Truppe aus Kiel eingeflogen worden. Da war es dann vorbei mit der Ruhe. Aber da wir das Experiment schlecht zu dritt durchführen können, war es wohl doch ganz gut so.
26. Mai 2010

Mittwoch galt es sich in Ny Alesund zu organisieren. Wir mussten alle möglichen Besprechungen und Einführungen über uns ergehen lassen. Aber, da wir ja wie immer unter Zeitdruck stehen, musste natürlich parallel angefangen werden die Mesokosmen für das Experiment vorzubereiten. Detlef und Ronald haben bis heute einen super Job hingelegt und alle 9 Mesokosmen zeitplan getreu bis Sonntagabend fertig gebaut.
Da wir eine Auffrischung im Schießen benötigten, durften wir abends noch ein bisschen rumballern. Natürlich alles abgesichert auf einem Schießplatz.
27. Mai 2010
Donnerstag war der große Entlade-Tag. Da wir am Dienstag nur die Mesokosmen und einiges an Zusatzmaterial entladen haben, galt es nun alle 165 Kisten auf die Pier zu bringen und per Radlader auf die verschiedenen Labore im ganzen Ort zu verteilen. Da nicht ganz klar war wer wo untergebracht ist, kann man sich vorstellen, dass es zu gewissen Zeiten kurzfristig unübersichtlich wurde. Aber gute Logistik bringt natürlich nichts aus der Ruhe, so dass nun alles an seinem Ort ist und alle fleißig damit beschäftigt sind ihre Labore aufzubauen.
28. Mai 2010
Am Freitag sind dann auch die Engländer, Franzosen und Holländer eingetroffen, so dass es nun galt die Materialschlacht, die wir am Vortag mit der Entladung der Esperanza eigeleitet hatten, nun mit drei Containern fortsetzen konnten.
29. Mai 2010
Samstag … hmmm …. Ich erinnere mich noch dunkel an das Einrichten von Laboren, einem Checktauchgang bei immerhin positiven Wassertemperaturen (+0,5°C) und einer Party auf der Esperanza mit anschließendem Versumpfen in der Bar von Ny Alesund (hat nur Samstags geöffnet) .. viel mehr weiß ich irgendwie nicht mehr!!
30. Mai 2010
8.30 Uhr, es ging weiter mit aufbauen und organisieren!! Das musste ich jetzt natürlich schreiben, um den Text vom Vortag nicht ganz ins falsche Licht abgleiten zu lassen.
31. Mai 2010
Heute wurden die Mesokosmen endlich zu Wasser gelassen. Mit einer wahnsinnigen Kraftanstrengung eines super Teams konnten wir zusammen mit der Esperanza von Greenpeace heute alle neun Mesokosmen installieren. Neben mir sitzt gerade Andrea. Es ist 23.21Uhr und sie ist gerade, tiefgekühlt von der letzten 4 stündigen Bootstour zurückgekommen. Das ist schon ein anstrengender Job den wir haben, aber es gibt auch Leute die es einem danken!!

Land in Sicht!!

Gestern abend um 23 Uhr war es dann so weit. Plötzlich lichtete sich der Nebel und vor uns tauchten die weißen Berge von Spitzbergen auf. Ein tolles Gefühl! Ein Jahr haben wir darauf hingearbeitet und nun sind wir da. So richtig glauben tun wir es eigentlich noch nicht.

Mittlerweile haben sich auch die Temperaturen der Location angepasst. Nachdem wir fasst bis zum erreichen der Inseln 8°C hatten, so ist die Temperatur jetzt auf ein halbes Grad über Null gesunken. Im Wind kommt es uns allerdings noch viel kälter vor.

Unglücklicherweise sind meine Handschuhe in einer unserer 165 Kisten verstaut und diese Kiste ist im Moment nicht aufzufinden. Ich werde mich daher jetzt gleich nochmal auf die Suche machen müssen.

In zwei Tagen sind wir in Longyearbyen

Bald haben wir es geschafft und wir bekommen mal wieder Land zu sehen. Eigentlich gibt es nicht viel Neues zu berichten. Zwar hat sich die Grippe noch weiter auf dem Schiff ausgebreitet und noch einige andere infiziert (schon schön so ein Schiff, da teilt nan einfach alles), aber mitlerweile sind die meisten auf dem Weg der Besserung, so dass wir beim Einlaufen ganz zuversichtlich sind, dass wir wieder alle fit sind, um uns den Aufgaben zu stellen, die da kommen.
Fotos lohen sich auch gerade nicht einzustellen, denn
1. die Schule Pottwale die gestern vorbeigekommen ist, war leider zu weit weg, um sie zu fotografieren
2. kranke Leute fotografiert man nicht
3. ich habe kein Bild von einem toten Elch, um die Situation zu bebildern
4. es ist total nebelig geworden

Ich meld mich also wieder wenn wir auf Eis und Bären stoßen.